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Gender und Diversity in der Stadt der Zukunft: Konzepte, Prozesse, Beteiligung

Das Seminar setzt die Reihe der alle zwei Jahre in Kooperation mit dem DST durchgeführten Seminare zum Thema „Gender Mainstreaming“ fort.

Ob Stadt der Zukunft, Klimagerechte Stadt, Smart-City, Nachhaltige Stadt, Altersgerechte Stadt oder Gleichberechtigte Stadt – Visionen, Leitbilder und Modelle zum zukünftigen Leben in städtischen Räumen haben wieder Konjunktur. Viele Städte machen sich angesichts neuer Herausforderungen (Klimawandel, Energiewende, demografischer Wandel, wachsende soziale Ungleichheiten etc.) auf den Weg, zukunftsweisende Konzepte für ihre Stadt zu entwerfen und mit ihrer Bevölkerung zu diskutieren. Doch ob nachhaltig, smart, klimagerecht und partizipativ jeweils ganz selbstverständlich auch geschlechtergerecht ist und die Anforderungen unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen berücksichtigt werden, lässt sich nicht so leicht beantworten.

In dem Seminar möchten wir Gender-, Gleichstellungs-, Frauen- und Diversity-Beauftragte sowie die fachlich mit diesen Konzepten Befassten einladen, gemeinsam zu reflektieren und zu diskutieren, welche Genderrelevanz in diesen Ansätzen steckt und inwieweit die einzelnen Konzepte dazu beitragen können, eine Zukunft zu gestalten, in der die gesellschaftlichen Aufgaben wie Kindererziehung, Familienarbeit, bezahlte Erwerbsarbeit sowie politische Mitwirkung neu und gerechter verteilt und übernommen werden.

In einer Mischung aus wissenschaftlichen Vorträgen und Berichten aus den Kommunen zu Aktivitäten und Umsetzungserfahrungen sollen Genderaspekte bei der zukünftigen Wohnungsversorgung, bei Mobilität und Infrastruktur, im Rahmen von Klimaschutz und Energieversorgung sowie bei politischer Teilhabe und Bürgerbeteiligung vorgestellt und diskutiert werden. Dabei wird ausreichend Gelegenheit für Erfahrungsaustausch und gemeinsame Diskussionen gegeben sein.

Vortrag von Michael Lobeck zum Smart-City-Projekt “T-City Friedrichshafen” beim Symposium [Platforms] of Urban Imagination im Rahmen der Container-Uni der Zeppelin-Universität am 11. Oktober 2014

Platforms of Urban Imagination

Am 11. Oktober stellte Michael Lobeck auf dem Symposium [PLATFORMS] of Urban Imagination die Erkenntnisse der Evaluation zum Smart-City-Projekt “T-City Friedrichshafen” vor.

Das Projekt T-City von Deutscher Telekom und Stadt Friedrichshafen, im dem von 2006 bis 2012 der ambitionierte Versuch unternommen wurde eine erste echte Smart City in Deutschland zu bauen, wurde vom Team der Arbeitsgruppe Stadt- und Regionalforschung am Geographischen Institut der Unversität Bonn unter Leitung von Michael Lobeck evaluiert. In dem als Buch veröffentlichten Endbericht und auf der Webseite der Evaluation wurden die wesentlichen Ergebnisse festgehalten. Weiterlesen

Themenreihe e-motion 2012: Das Gesundheitswesen der Zukunft

Das deutsche Gesundheitswesen steht vor großen Herausforderungen. Petra Thürmann ist Mitglied im „Rat der Weisen“, welcher die Bundesregierung berät. Sie prognostiziert, dass es im Jahr 2025 definitiv mehr Patienten in Deutschland geben wird. Darunter werden zudem häufiger chronisch Kranke zu finden sein, deren Behandlung besonders kostenintensiv ist. In der Folge ergeben sich steigende Ausgaben, die das Gesundheitssystem belasten. Hinzu kommt das Problem des Abbaus der medizinischen Infrastruktur in ländlichen Regionen Deutschlands.

Doch die Zukunft sieht nicht nur düster aus, denn die rasante technische Entwicklung der vergangenen Jahre macht zukünftig nicht nur neue Medizintechnik im Sinne von hochentwickelten OP-Robotern möglich, sondern bereitet auch den Weg für zahlreiche E-Health-Anwendungen. Das Einsparpotential durch elektronisch unterstützte Anwendungen wie das eRezept, die einrichtungsübergreifende elektronische Patientenakte (EPA) und ähnliche Maßnahmen, die papierloses Arbeiten ermöglichen und zu einer Datenvernetzung führen, wird von der Boston Consulting Group auf sieben Milliarden Euro geschätzt.

Auch bei der Betreuung von chronisch kranken Patienten, gerade in schlechter versorgten Gebieten, wird die Telemedizin zeitnah eine große Rolle spielen. Projekte wie die „Mobile Visite“ in der T-City Friedrichshafen laufen bereits erfolgreich. So hat der Patient beispielsweise zu Hause ein EKG-Gerät und die Daten werden täglich zu einem Arzt weitergeleitet. Dieser entscheidet dann über die Dosierung der Medikamente und hält bei Bedarf per Videokonferenz Rücksprache mit anderen Ärzten.

Auf diese Weise kann ebenfalls eine Kostensenkung erzielt werden, ohne dass diese zu Lasten der Betroffenen geht. Den Patienten können dadurch Arztbesuche oder sogar stationäre Aufenthalte erspart werden. Eine Studie zur telemedizinischen Betreuung von chronisch kranken Patienten (erschienen in Health Affairs, Vol 30, No 9, September 2011) hat zudem gezeigt, dass durch diese Betreuungsform die Lebenserwartung bei Herzinsuffizienz oder Diabetes sogar gesteigert werden kann.

Zu erwarten ist somit, dass E-Health eine zentrale Säule des zukünftigen Gesundheitswesens darstellen wird. Dies bestätigte auch eine gemeinsame Befragung der Fachhochschule Flensburg und der Gemini Executive Search unter Bürgern, Industrie, Leistungsanbietern, Verbänden und Kostenträgern hinsichtlich ihrer Einschätzung der Bedeutung von E-Health bis 2015. Das Ergebnis: Die Befragten gehen von einem starken Wachstum im Bereich E-Health aus und sehen in telemedizinischen Anwendungen einen zukünftigen Erfolgsfaktor im Gesundheitsmarkt.

Wenn Sie mehr zu dem aktuellen Stand und den Herausforderungen im Bereich E-Health erfahren möchten, laden wir sie herzlich zu unserer Tagung e-motion 2012 am 24./25.Mai in Friedrichshafen ein. Dort wird Herr Wolfgang Loos von der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin einen Vortrag zu diesem Themenkomplex halten. In seiner Tätigkeit für die DGTelemed setzt sich Herr Loos dafür ein, die Entwicklung der Gesundheitsversorgung insbesondere auf dem Gebiet der Telemedizin zu fördern und Akteure der Telemedizin im In- und Ausland zusammenzuführen.

Auf der Tagung besteht ebenfalls die Möglichkeit, telemedizinische Pilotprojekte wie die „Mobile Visite“ und „Tumorkonferenz“ vor Ort im Klinikum Friedrichshafen in der Anwendung zu erleben. Mehr Informationen zu unserer Tagung und den anderen Themenbereichen rund um Smart Cities finden Sie hier.

“Open Budget 2.0 & Open Budget Data” – Transparenz in der öffentlichen Verwaltung

Wie auf www.innovative-verwaltung.de berichtet wurde, veröffentlichte im Auftrag der Deutschen Telekom das „Telekom Institute for Connected Cities“ (TICC) der Zeppelin Universität Friedrichshafen ein Gutachten mit dem Titel „Open Budget 2.0 & Open Budget Data“, welches die Öffnung von Haushaltswesen und Haushaltsdaten für Bürger thematisiert.

Die Möglichkeiten und Technologien der sozialen Medien und des Web 2.0 erlauben es den Bürgern, Haushaltspläne zu verstehen und mit eigenen Ideen und Vorstößen an der Diskussion um öffentliche Finanzen zu partizipieren. U.a. werden bereits mit Beteiligungs- und Bürgerhaushalten, Transparenzportalen oder interaktiver Visualisierungen offener Haushaltsdaten die Beteiligung ermöglicht und erleichtert.

Anhand des Haushaltswesens von Bund, dem Land Baden-Württemberg, dem Bodenseekreis und der Stadt Friedrichshafen explizieren die Autoren, wie die Möglichkeiten der Nutzung der neuen Technologien eine transparentere Verwaltung gestatten. Nach Meinung der Gutachter sei der Stand der Öffnung des Haushaltswesens in Deutschland auf den unterschiedlichen Ebenen momentan sehr unterschiedlich und biete viel Potenzial für eine weitere Öffnung und Vernetzung.

Die gesamte Studie ist unter diesem Link einsehbar.

Studie – Auswirkungen des Internets auf die politische Kommunikation und Partizipation

Wie sich das Internet auf die politische Kommunikation und Partizipation der Bürger auswirkt hat die Technische Universität Ilmenau im Rahmen des Projekts „Politische Online-Kommunikation” im Zeitraum von 2002 bis 2009 untersucht. Die Ergebnisse sind diesen September als Buch mit dem Titel „Bürger online. Die Entwicklung der politischen Online-Kommunikation in Deutschland“ erschienen.

Laut der Projektbeschreibung umfasste das Projekt folgende zentrale Untersuchungsfragen:

–  Wie nutzen die Deutschen die Möglichkeiten des Internets für ihre politische Information, Kommunikation und Partizipation?

–  Welche Auswirkungen haben mögliche Veränderungen (z.B. die Nutzung des Internets zur politischen Informationssuche) auf die bisherigen Mediennutzungs- und Kommunikationsmuster? (Abkehr oder Mobilisierung)

Das Ziel des Projekts umfasste dabei eine Überprüfung verschiedener theoretischer Ansätze, welche kommunikatives Handeln der Bürger erklären. Ebenfalls sollte das Vorhaben eine langfristige Beobachtung der individuellen politischen Kommunikation ermöglichen, um belastbare Aussagen über Veränderungen im Zeitverlauf und über deren Ursachen und Wirkungen machen zu können.

Im Interview mit Zeit Online berichtet Gerhard Vowe (wissenschaftlicher Leiter des Projekts) über die Methodik und die Ergebnisse. Im Rahmen der Studie wurden jährlich 1.400 Bürger telefonisch nach ihrer politischen Kommunikation befragt. Thematisch ging es dabei um ein breites Spektrum vom Lesen des Politikteils der Tageszeitung bis zur Teilnahme an Demonstrationen und dem Unterschreiben einer Online-Petition.

Die Forscher stellten fest, dass sich 50 % der Bevölkerung (welche als “Passive Mainstreamer” klassifiziert wurden) nicht an politischer Kommunikation beteiligen und dass ihre Mediennutzung weitgehend unpolitisch ist. Der politische Teil der Berichterstattung in Tageszeitungen oder der Fernsehnachrichten interessiert sie wenig, woran auch das Internet nichts geändert hat.

Bei der anderen Hälfte der Bevölkerung ließen sich vier weitere Gruppen unterteilen, wie Gerhard Vowe im Interview beschreibt:

1)  “Eigennützige Interessenvertreter”: Menschen, die Mitglied in Gewerkschaften und Verbänden sind und sich auch politisch engagieren, allerdings sehr gezielt im Rahmen ihrer spezifischen Interessen. Diese Gruppe macht rund 20 % der Bevölkerung aus. In der Regel sind es Ältere, das Internet nutzen sie nur peripher und nebenbei.

2)  “Traditionell Engagierte”: sie informieren sich vor allem über die klassischen Massenmedien und sind überdurchschnittlich oft in Bürgerinitiativen oder Umweltschutzorganisationen aktiv.

3)  “Organisierte Extrovertierte”: umfassen ebenfalls viele Ältere, die extrem kommunikationsfreudig sind und eigentlich alle Kanäle zur politischen Auseinandersetzung nutzen.

4)  “Bequeme Moderne”: diese Gruppe weist die höchste Internetaffinität auf und unterhält sich auch mehr als andere über politische Themen. Sie partizipiert politisch fast ausschließlich über das Internet; Fernsehen und Tageszeitung spielen kaum noch eine Rolle. Das sind in erster Linie junge Menschen, 16- bis 29-Jährige. Diese Gruppe macht einen Anteil von rund 16 % der Bevölkerung aus.

Die Ergebnisse über die Häufigkeit der sowohl online als auch offline stattfindenden Kommunikation zur Information, zur politischen Kommunikation und zur Partizipation können auch dem Vortrag „Politische Mobilisierung durch das Internet?“ von Gerhard Vowe und Martin Emmer (18.01.2010) entnommen werden. Darin sind auch Angaben zum theoretischen Hintergrund, der Methodik und den Ergebnissen der Studie enthalten.

Generell fanden die Forscher laut der Zusammenfassung heraus, dass…

–  es partielle moderate, aber stabile direkte Mobilisierungseffekte des Internets gibt. Der Onlinezugang beeinflusst die politische Informationsnutzung unmittelbar und positiv.

–  schwache positive Auswirkungen der intensiveren Information auf Partizipation und politische Einstellungen vorhanden sind.

–  sich keine Bestätigung der Abkehrhypothese und keine Substitutionseffekte bei Information und Partizipation zeigte(n).

–  Kohorteneffekte Veränderungen verstärken, da die „Online-Generation“ in die Gesellschaft hinein wächst.

In dem Interview mit Zeit Online fasst Gerhard Vowe die Ergebnisse folgendermaßen zusammen: „Für viele hat sich wenig verändert – sie bleiben bei ihren Gewohnheiten, auch in ihrer politischen Kommunikation. Aber die, die mit dem Internet groß werden, die entwickeln erst ihre Gewohnheiten. Auch darin, wie sie sich politisch informieren und wie sie politisch teilhaben. Und sie werden dabei vor allem vom Internet geprägt.“

Dies bedeutet, dass das Internet durchaus Effekte auf die politische Information und Beteiligung ausübt, allerdings eher bei den Generationen der Digital Natives.